Urmutter aller Ehedramen, der Geschlechterkampf eines Silberhochzeitspaares in ihrer “kleinen Hölle”: Niemand erwartet von Strindberg “Leichtes”. Das Berliner Ensemble gastiert mit dem “Totentanz”.
Die Termine haben sich etwas verschoben - die Erwartungen bleiben dieselben: “Totentanz” von August Strindberg in der Inszenierung von Thomas Langhoff hat am 22. Mai am Stadttheater Klagenfurt Premiere (in Kooperation mit dem Berliner Ensemble). Wahre Huldigungen eilen der Sache voraus: Für die “Berliner Zeitung” war “der Abend perfekt”. “Die Welt” präzisierte und schrieb vom “schlicht großartigen Trio”, meinte die Schauspieler.
In Klagenfurt ist anstelle von Dagmar Manzel in der Rolle der Alice Ulrike Krumbiegl zu sehen. An der Seite der ursprünglichen, bejubelten Besetzung mit Dieter Mann und Götz Schubert. Und das sind Schauspieler, zu deren Ehren ihr Regisseur Langhoff was gänzlich Unübliches machte: Er schrieb eine persönliche Liebeserklärung an das Darstellertrio, nannte sie “Ein Schauspielerfest” und schickte sie nicht den Mimen persönlich, sondern stellte sie ins Internet. In dem er auch eingestand, die Besetzung “erst gar nicht gewollt zu haben”. Es ist ein Dank für die Umsetzung vom “Totentanz”, “dem Spiel von ekelhaften, verzweifelten, gegenwärtigen, gefährlich lebendigen Untoten …”. Das Stück, das Strindberg 1900 schrieb, gilt als Urdrama der Moderne: ewig gültig zum Stichwort Ehedrama - samt einer der ersten emanzipierten Frauenfiguren am Theater. Die Dreifachisolation dieser Eheleute - ineinander, in ihrem Wohnturm und auf einer Insel, lässt sie umso unbarmerziger “zuschlagen”, als Kurt, der Cousin von Alice, auftaucht. Ein Dritter! Eine Möglichkeit, der rotierenden Ehehölle noch mehr Drall zu verpassen …
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