Rubrik: Bericht
veröffentlicht am 7.11.2009

Der umschwirrte Mensch und ein Einkaufswagenfisch

VON MAJA SCHLATTE / Kärntner Tageszeitung

Der erste Eindruck ist einer des Informell. Falsch - der erste Eindruck sind zwei Bilder im Gang der Galerie oberm Alten Platz, die die Grundidee der neuen Arbeiten von Gernot Fischer-Kondratovich noch “pur” zeigen: Die bis zum Kleinporträt ausgearbeitete Sol-Menschenfigur im Mittelpunkt, überschrieben und umfangen von Buchstabenreihen … Je weiter man in die Galerie vordringt, desto freier gearbeitet, abstrahierter wird dieses Grundthema, wie in der Musik, variiert: Und wie in der Musik gewinnt es an Subtilität, Tiefe und Überraschungsmoment. Die Figur im Mittelpunkt wird immer mehr zum Schemen, zum Schatten, zum Symbol - und die Zahlen mutieren zu menschlichen Hohlumrissen oder werden sogar zu Printmustern, bis sie auch die geordnete Reihe, die lineare Gedankenwolke der Hauptfigur verlassen und, an Hitchcocks “Vögel” erinnernd, einen Gedankenschwarm bilden, in all der inhaltlichen Diversität und dem “einfallenden” Tiefflug, wie sie jeden von uns heimsuchen.

Fischer-Kondratovitch zeigt sowohl das Elementare daran als auch den Versuch des Menschen, sich davon eine Pause zu gönnen. Den vergeblichen, natürlich. Und irgendwie schafft er es auch, die leise Ironie von Floras Raben einzuweben, ohne sie jemals zu “verwenden”. Die Ironie führt er zur Perfektion in seinem Kurzfilm “the fish”, einer Absurdistan-Einkaufswagenreise eines gekauften Fisches durch sizilianische Szenerie …

Installation im Lifthof

Im Lifthof “wächst” es erstmals aus dem Untergrund herauf: Glaskugeln von Alois Hechl-Kreuter unter dem Metallgitter, heraufstrebende Metallstäbe von Alexander Samyi (und Grafit-Köpfe an der Wand - “Taxis der Hingabe”). Und dann noch Schneekugeln. Aber das ist eine spätere Adventgeschichte.

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