VON BERTRAM KARL STEINER
Es gibt bedeutende Maler, die sich im hektischen Betrieb der Metropolen “in” fühlen, in New York oder in London. Der in London geborene Simon Edmondson wählte mit Madrid ein ganz anderes, fast zeitentrücktes, zur Selbstprüfung stimulierendes Biotop. Hier ist er dem, wie Miguel de Unamuno es formuliert hat, “unbarmherzig grellen Licht” Kastiliens ausgesetzt, dem Licht einer Landschaft, die nur aus “Steinen und Heiligen” besteht; und er hat mit dem Pradomuseum, “gleich ums Eck”, die gesamte Kunstgeschichte Europas vor sich: Als Herausforderung und Maßstab für seine eigene Arbeit.
Mit den Jahren in Spanien ist Edmondson so zu einem viszeral “barocken” Maler geworden, der sich, wiewohl alle Raffinessen der klassischen Moderne virtuos anwendend, bewusst in der Traditionslinie Tizian - Tintoretto - El Greco - Velazquez - Goya sieht. Vor allem kann er - Voraussetzung für seine Zeitreisen - malen und er getraut sich, den jeweiligen intellektuellen Moden zum Trotz, eben zu malen.
Ohne Übertreibung sind seine, in der Stadtgalerie ausgestellten kolossalen Bilder und die kleinerformatigen - käuflichen - Arbeiten in der Galerie Magnet im Palais Fugger, ein paar Schritte weiter, eine Offenbarung.
Selbstbewusst tritt Edmondson mit den Giganten in einen Dialog auf Augenhöhe: Da greift eine perfekte Tizian-Hand in die Gegenwart herein, dort schaut ein Gespenst aus Goyas schwarzen Gemälden aus Edmondsons Kompositionen.
Eine Ausstellung, an welcher man sich, bis 14. Februar 2010, nicht sattsehen kann.

