Alexander Pereira, der designierte Intendant der Salzburger Festspiele, zeigt sich glücklich über die Entscheidung: “Man muss Salzburg nehmen und lieben, wie es ist.”
SALZBURG. Es sei ein “unwahrscheinlich schönes Geschenk, wieder einen Platz in der Heimat zu haben”, meinte Alexander Pereira, derzeit noch Chef der Zürcher Oper, über die gestrige Entscheidung des Kuratoriums, ihn als Nachfolger von Jürgen Flimm zum Intendanten der Salzburger Festspiele ab 2012 zu designieren (die KTZ berichtete).
Pereira, 61, entstammt einer alten, seit dem 18. Jahrhundert in Österreich sesshaften portugiesischen Familie.
Pereira: “Ich komme aus einer kosmopolitischen Welt, habe meinen Ursprung trotzdem in Österreich.”
Die Tradition der Salzburger Festspiele schätzt er: “Man muss den Rucksack der Tradition auf den Rücken nehmen und gleichzeitig neue Entwicklungen vorantreiben.”
Auf Salzburg freue er sich, bei allen Unwägbarkeiten, welche diese neue Aufgabe mit sich bringt: “Man muss Salzburg nehmen und lieben, wie es ist und versuchen mit der Ernsthaftigkeit und der Wahrheit in der Musik die Dinge zu machen, die von ihr selbst diktiert werden, und nicht von dem, was gerade chic oder lustig ist.”
Wurzeln der Festspiele
Eine programmatische Aussage Pereiras, die durchaus auf die Ursprünge der Salzburger Festspiele verweist. Diese wurden von Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt, Richard Strauss als kulturelle, spezifisch österreichische Reaktion auf das moralische und politische Desaster des Ersten Weltkriegs begründet, als ein von Mozarts Genius geprägter Ort der Rückbesinnung auf zeitlose humane Werte. Daher auch die Tradition, auf dem Domplatz Hofmannsthals “Jedermann”, das “Spiel vom Sterben des reichen Mannes”, aufzuführen; eigentlich eine drastisch-barocke Geschichte der Bekehrung zu den Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese Wurzeln der Festspiele haben recht wenig mit dem Glamour und den Schickimicki-Events zu tun, welche heute in den Gesellschaftskolumnen überbewertet werden. Auch die Überbewertung des ökonomischen Faktors “Salzburger Festspiele” widerspricht der ursprünglichen Konzeption. Bezeichnenderweise ist die Serie der “Jedermann”-Aufführungen in der Zeit des Nationalsozialismus unterbrochen worden.
Exodus der Künstler 1938
Das Werk des altösterreichischen Juden Hofmannsthal galt im NS-Regime als “artfremd” und war verboten. Wie überhaupt die Vision Hofmannsthals in den Jahren 1938 bis 1949 in ihr Gegenteil verkehrt wurde: Clemens Holzmeisters Festspielhaus wurde im NS-Stil verändert, bedeutende Künstler wie der Dirigent Arturo Toscanini lehnten ihre Teilnahme ab oder wurden, wie Bruno Walter, zur Emigration gezwungen. Richard Strauss hatte sich weitgehend mit den Machthabern arrangiert.
bks/Kärntner Tageszeitung

