Rubrik: Artikel
veröffentlicht am 13.2.2009

Das Leben ist ein mieses Wirtshaus

ein Artikel von KTZ zum Thema Dichtung

Heute vor 20 Jahren verstarb Thomas Bernhard. Ein österreichischer Dichter, der wie Grillparzer seine spirituellen Wurzeln in Spanien hatte …

“La vida es una noche en una mala posada” - “Das Leben ist eine Nacht in einem miesen Wirtshaus”. Ein in seiner bitteren Illusionslosigkeit “Bernhardscher” Satz; er stammt aber nicht vom grantigen österreichischen Dichter, der heute vor zwanzig Jahren gestorben ist, sondern von der heiligen Teresa von Avila. Die Mehrheit der Österreicher hat Bernhard zu Lebzeiten ebenso inbrünstig gehasst, wie sie seine Leiche heute posthum abschmusen. Verstehen, aus seiner spirituellen Herkunft begreifen wollen wir ihn bis heute nicht. Weil er nämlich, für seine Zeitgenossen fremd, aus der spanischen Tradition der universalen österreichischen Zivilisation heraus gedacht, gefühlt und geschrieben hat.

So meint der österreichische Literaturwissenschaftler Erich Wolfgang Skwara: “Wien, das Wien der Habsburger - nicht das unerhebliche gegenwärtige -, und Madrid, die spät gegründete Hauptstadt des Auch-Habsburgers Felipe II., waren zwei Pole einer Achse, um die sich einst Europa drehte …” Und “Es ist diese überdeutliche Scharfschrift, das nie ermattende Entweder-Oder, die überwältigende Schwarz-Weiß-Malerei, womit wir in Thomas Bernhards literarischem Werk ebenso wie in Spanien rechnen müssen, ja oft damit erschlagen werden. Österreich ist dehnbar wie Gummi, Spanien dagegen besteht aus Granit.”

Sagen wir es so: Bernhards Werk ist spanische Literatur in deutscher Sprache (was im Übrigen auch für seinen Verwandten im Geiste, Franz Grillparzer, zutrifft). Im “Gummi-Österreich” muss Bernhards Ouevre wie ein Fremdkörper wirken, die Erinnerung an das spanische “Granit-Österreich” des Felipe II. und dessen Seelenführerin Teresa von Avila ist völlig ausgetilgt worden. Noch einmal Erich Wolfgang Skwara: “Ich stelle mir vor, dass Thomas Bernhard in Spanien eben das gefunden hat, was wir in seinen Werken finden: Statik und Würde. Und wie wir, seine Leser, zu ihm halten, so hielt er zu dem Land, aus dem er die Grundmuster seines Lebens ablas”. Um das zu verinnerlichen, müssten wir unsere Kulturgeschichte neu überdenken …

von Bertram Karl Steiner

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