Im folgenden Interview spricht Karlheinz Fessl von seinem Zugang zur Fotografie, die für ihn Beruf und Berufung gleichermaßen darstellt.
Redaktion: Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Karlheinz Fessl: Ursprünglich komme ich aus dem Journalismus. Da bin ich von meinem Vater vorbelastet. Heute bin ich vorwiegend in der Werbefotografie tätig. Während meines Praktikums in England lernte ich die Arbeit der englischen Fotografen kennen, die mich faszinierte. Bei uns ist es oft so, dass jeder, der ein einigermaßen gut belichtetes Foto zusammenbringt, auch gleich ein Künstler ist. In England haben die Fotografen zu ihrer eigenen Arbeit einen ganz anderen Zugang, eher, wie man ihn gegenüber einem Handwerk hat. Obwohl diese Fotografen für mich oft die größeren Künstler sind…
Was mich an der Fotografie noch sehr angesprochen hat, ist, dass man mit geringem finanziellen Aufwand doch sehr gute Dinge umsetzen kann. Ich meine das im Vergleich etwa zum Genre Film.
Ich habedavor auch einmal für die Kleine Zeitung geschrieben und fotografiert, aber ich habe festgestellt, dass man es nur in einer Disziplin bis zur Perfektion bringen kann.
Redaktion: Seit wann betreiben Sie Ihr Studio?
Karlheinz Fessl: Seit 1991.
Redaktion: Wie haben Sie die Umstellung von analoger auf digitale Fotografie erlebt?
Karlheinz Fessl: Ich habe anfänglich eher gezögert. Ein guter Fotograf muss seine Ausbildung mit analoger Fotografie begonnen haben, um wirklich gut bescheid wissen zu können. Natürlich gibt es einige Naturtalente, die unbeschwert mit einer Digitalkamera umgehen können. Aber diese sind sehr rar, und deshalb bin ich sicher, dass eine solide Ausbildung auf alle Fälle dazu gehört.
Redaktion: Sie sind also Berufsfotograf und auch Künstler?
Karlheinz Fessl: Ja, ich betreibe meine “Brotjobs” und nebenher bearbeite ich Themen, die alle ein bis zwei Jahre in Ausstellungen münden. Ich muss mich von der Arbeit freischaufeln können, um das machen zu können, was ich eigentlich transportieren will. Und das ist dann auch, das mich weiterbringt.
Redaktion: Welche war die letzte Ausstellung, die man von Ihnen sehen konnte?
Karlheinz Fessl: Eine meiner letzten Ausstellungen war die Wiederholung eines bekannten Themas, der Zigarre rauchenden Geniesserinnen. Eigentlich habe ich dieses Thema vor Jahren schon abgeschlossen, aber es wird immer wieder für Ausstellungen verlangt. Das erste Mal habe ich die Arbeiten von diesem Thema 1999 gezeigt.
Redaktion: Können Sie sich noch an Ihre erste Ausstellung erinnern?
Karlheinz Fessl: Meine erste Ausstellung… die liegt jetzt schon gut 20 Jahre zurück. Hier in Kärnten gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten für Fotografen auszustellen, es gibt keine Galerieszene. In Villach gibt es eine einzige Fotogalerie. Aber es fehlt grundsätzlich in Österreich ein Verständnis für das Sammeln von Fotografie als Kunst, die Situation kann man auf keinen Fall mit der in England oder den USA vergleichen.
Eine für mich wichtige Ausstellung war in Hamburg zu sehen, zu dieser Stadt habe ich gute Kontakte. Aber es gibt natürlich auch bei und lobenswerte kleine Initiativen. Der Presseclub Carinthia lud mich beispielsweise ein “Loco” auszustellen. Das sind Werke, die ich aus Kuba mitgebracht habe. Die kubanischen Mauern haben es mir angetan. Bei der Ausstellung konnte ich auch einen gewissen Triumph erzielen, da die Besucher teilweise sehr irritiert waren. Sie meinten: “Schöne Gemälde hast du da mitgebracht, aber wo sind die Fotografien?”
Redaktion: Wenn Sie soviel im Ausland unterwegs sind und auch gute Kontakte dorthin haben, was führt Sie doch immer wieder zurück nach Kärnten?
Karlheinz Fessl: Ich komme immer wieder zurück, weil ich die Lebensqualität hier sehr schätze, allerdings muss ich auch hinaus. Viele große Aufträge bekomme ich auch von außerhalb, die Aufträge, die ich alleine in Kärnten bekomme, würden wohl zum Überleben nicht ausreichen. Deshalb sind die Kontake, die ich zu ausländischen Agenturen habe, auch sehr wichtig. Und manchmal ist die Einstellung der Kärntner gegenüber Qualität etwas verquer…
Sagen wir es so, Kärnten ist die Insel, auf der ich meine Batterien wieder auflade. Ich kann hier auch gut Sachen bearbeiten, die ich mitgebracht habe, die ich allerdings wiederum besser auswärts ausstellen kann. Wenn ich immer nur hierbliebe, dann würde es an Herausforderungen mangeln.
Nähere Informationen auf



Chris Fertighaus schreibt am 10.12.:
Interessanter Artikel. Bin ja selbst auch Fotograf. Vielen Dank für die Mühe.