Rubrik: Artikel
veröffentlicht am 15.2.2009

Das Miserable als Telenovela

ein Artikel von KTZ zum Thema Musik, Theater

Premiere des 2007 von Josef E. Köpplinger in Graz gezeigten Musicals “Les Miserables” am Stadttheater: mit zwei tragenden Darstellern, der Unglaubwürdigkeit von Bühnen-Revolutionen, viel Schmalz und Präzisionsmangel.

Es mahlt so dahin auf der Bühne, mit raren Höhepunkten, nach dem Motto: Immer was los ist auch ermüdend. Und zum Schluss zieht sichs auch noch wie ein Grammelstrudel, nicht wirklich bekömmlich, schon von der Kost-Auswahl her. Und das gschmalzene Elend wird einfach - schmalzig. Als komprimierte Musicalgeschichte mag “Les Miserables” für Frankreich ein Stück Identität bedeutet haben. Für die österreichische Mentalität, die Revolutionen nur bei unleistbarem Bierpreis in Erwägung zöge, wohl kaum. Noch dazu eine Revolution mit kleinen, per Muss eingebauten Tanzschritten - wohl wissend, dass Kongresse tanzen, aber Revolutionen? Die Vorlage verträgt nichts Auflockernd-Rhythmisches, also bleibt es aus. Bleiben die - manchmal schon fast - Arien und die Frage nach der Auswahl des Stückes überhaupt. Was brachte diesem Musical den Preisregen ein? Wahrscheinlich das Anderssein.

Die Musik ist opernhaft, mit ein paar “eingebauten” Anleihen aus bekannten Musicals. Und wenn dann die Schlusstöne in typisch musicalpreußischer Manier tröten und sich dazu “trübaaaa” auf “vorübaaaa” reimt, möchte man aufstehen und gehen. Das taten zwar treue Theaterbesucher nicht, doch nach der Pause blieb mancher Platz leer.

Das Stück lebt von der Bewegung vieler Protagonisten auf der Bühne (und das beherrscht Regisseur Köpplinger ja). Getragen wird alles von den Titelpartien Valjean (Daniel Prohaska) und Javert (Erwin Windegger), die differenzierte Figurenzeichnung zu bieten imstande sind. Stimmlich ist Windegger der Einzige, der Anforderungen erfüllt - in den Höhen (und manchmal auch den Tiefen) hört man von anderen durchgängig unsauber Intoniertes, Forciertes und nicht Erklommenes und in den Massenszenen viele unpräzise Einsätze. Die sehr zahlreichen Angehörigen im Publikum und Kollegen aus anderen Produktionen geben trotzdem Standing Ovations …

von Maja Schlatte

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