Und plötzlich wird es hell auf der Bühne. Weiße Mikrofonständer schwindeln sich zwischen die schwarzen Verstärker. Bunte Schmetterlinge flattern auf der Base-Drum des weißen Schlagzeugs. Liquid Glam Rockets steht darauf. Drei Herren vervollständigen das Konzept. Philipp Hassler (Gesang und Gitarre), Manfred Madrian (Bass) und Markus “MAF” Dermastia (Drums) betreten die Bühne. Strahlend weiß, wie frisch aus der Waschmaschine geschlüpft.
Freitag, 6. November, Wien. Es ist das erste Konzert der Kärntner Liquid Glam Rockets für ihr erstes Album. We’ve Got Donkeys Today heißt das gute Stück. Die erste Single, Eat You Alive, läuft bereits auf gotv. Am 11.11.2009 um 21 Uhr sieht man die Herren dort in einem hosted by.
Vor dem Konzert traf ich die Band in einem urigen Beisl. Willkommen in Wien!
Ein Interview von Helmut Berger (H)
H: Euer erstes Konzert zum Album findet im Shelter hier in Wien statt. Warum nicht in Kärnten?
LGR: In Kärnten ist es zurzeit sehr schwierig. Aber am 7.12. präsentieren wir die CD auch im Klagenfurter Kwadrat.
H: Ihr spielt seit 2005 zusammen. Aber nicht in dieser Besetzung.
LGR: Nein, MAF haben wir erst heute kennengelernt. Er hatte ein weißes Hemd an und wir suchten einen Schlagzeuger (lachen). Nein, MAF ist seit eineinhalb Jahren bei uns.
H: We’ve Got Donkeys Today ist euer erstes Album. Ihr seid jetzt bei einem Label. Wie kam es dazu?
LGR: Wir wollten eine CD aufnehmen und hätten das sowieso gemacht. Zuerst wollten wir selber ein Studio suchen, dann haben wir von Crater 8 gehört, weil auch andere Kärnter Bands bei ihnen sind. Cleave zum Beispiel. Wir haben eine CD hingeschickt und die haben sich ein paar Tage später gemeldet.
H: Das ist eher ungewöhnlich, dass sich ein Label so schnell meldet, oder?
LGR: Ja? Ich weiß gar nicht genau. Das war eigentlich die einzige CD, die wir verschickt haben.
H: Und was habt ihr gedacht, als sie angerufen haben?
LGR: Zwei Drittel von uns wollten es sofort machen. Unser damaliger Schlagzeuger war dagegen. Da haben wir gedacht: „Einen Schlagzeuger werden wir schon finden.“ Und dann kam MAF.
H: Wie verlief die Zusammenarbeit mit Crater 8?
LGR: Die haben gleich die Karten auf den Tisch gelegt und gesagt, dass noch viel Arbeit auf uns zukommt, wenn die CD einmal fertig ist. Sie haben uns nicht gleich alles versprochen, sondern waren einfach ehrlich und das hat uns auch so an ihnen gefallen. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Die Studioarbeit haben sie uns sehr leicht gemacht, weil die Stimmung ganz locker war.
H: Sind Crater 8 auch für das Video zur ersten Single, Eat You Alive, verantwortlich?
LGR: Nein, das haben wir uns selbst organisiert. Auch das Design des Albums ist selbstgemacht. So sind wir natürlich noch stolzer auf das fertige Werk. Wir konnten unsere Ideen reinbringen. Niemand hat uns dazwischengeredet. Das Album, das sind wirklich wir.
H: Das heißt, ihr seid jetzt zu 100 Prozent damit zufrieden?
LGR: Ja! Es gibt natürlich immer irgendwas, das man im Nachhinein noch ändern könnte. Ein Album ist nur eine Momentaufnahme. Wir haben es ja schon vor eineinhalb Jahren aufgenommen. Aber man muss einfach irgendwo eine Grenze ziehen und sagen: So machen wir es jetzt!
H: Ihr habt auch sehr viele Elemente in eurer Musik, die man in der Kombination noch nicht gehört hat.
LGR: Ja, das liegt daran, dass die Leute von Crater 8 gesagt haben: „Nehmt einfach alle Instrumente mit, die ihr habt! Wir machen dann schon was draus.“ Und wir wohnen in einer WG. Der Vormieter war verstorben, aber von ihm war noch ein Akkordeon in der Wohnung. Das hört man jetzt auch auf dem Album. Man kann das live schwer umsetzen. Aber wir wollen ja gar nicht, dass auf der Bühne alles gleich klingt, wie auf der CD.
H: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
LGR: Wir spielen Liquid-Glam-Rock. Nein, also wir machen Alternative Rock, kann man sagen. Wir wollen gar nicht behaupten, dass das etwas ganz Neues und Besonderes ist. Wir wollen die Musik nicht neu erfinden, sondern einfach machen, was uns gefällt. Wir bringen alle unsere Einflüsse mit rein. Und so entwickelt sich die Musik immer weiter.
H: Welche sind eure Einflüsse?
LGR: Muse natürlich, das können und wollen wir nicht leugnen. Ist ja eine Ehre, mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden. Aber auch Queen zum Beispiel. Man hört sich etwas an und lässt sich davon beeinflussen. Egal, welche Musikrichtung es ist. Das kann sogar Schlager aus den Sechziger Jahren sein. Auch klassische Musik inspiriert uns, weil wir früher auch das gemacht haben.
H: Ihr habt jetzt so lange bei kleinen Festivals als erste Band gespielt. Hat euch das nie genervt?
LGR: Die Veranstalter wollen eben immer einen Headliner, der Leute bringt. Eh klar. Natürlich war es hart, aber wir haben immer unser Bestes gegeben und auch schon als Headliner gespielt. Meistens durch irgendeinen Zufall. Aber wir spielen für drei Leute, genauso wie für hunderte. Die sind gekommen und haben Eintritt gezahlt, da haben sie es auch verdient, dass wir unser Bestes geben. Und wenn nur einer dabei ist, dem es gefällt und der vielleicht auch noch seinen Freunden davon erzählt, haben wir schon gewonnen. Für uns war das immer ein Hobby. Und die Hauptsache ist, dass man Spaß dabei hat. Und den haben wir schon immer gehabt und haben ihn natürlich noch. Außerdem gab es immer ein paar Leute, die an uns geglaubt haben. Das hat uns zusätzlich motiviert und Energie gegeben. Und irgendwann passt dann einfach alles zusammen.
H: Was habt ihr für die Zukunft geplant?
LGR: Wir werden viele Konzerte spielen, um so vielleicht einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Wir wollen natürlich einmal nach Deutschland beziehungsweise überhaupt ins Ausland. Dann ist man bei uns auch gleich mehr wert (lachen). Wir werden auch bald neue Lieder schreiben und im Herbst wahrscheinlich schon wieder ins Studio gehen.
10…9…8…der Countdown zum Start der Liquid Glam Rockets beginnt. 3…2…1…Die ersten Töne erklingen. „Hallo, wir sind die Liquid Glam Rockets. Und wir haben ein Problem.“ So begrüßt Sänger Philipp das Publikum. Aber selbst von technischen Schwierigkeiten lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Und dann passt wirklich alles zusammen und plötzlich überrolt eine Klanglawine das Publikum. Zu viel wird nicht verraten. Hingehen, ansehen, kaufen! Fest steht aber, dass die Bühne des Shelter für so eine großartige Band zu klein ist. Aber auch die werden größer werden.
Mehr Infos, Konzertermine usw. unter:
www.liquidglamrockets.com
www.myspace.com/liquidglamrockets
www.crater8records.com
www.myspace.com/crater8records
www.gotv.at



