Im folgenden Interview spricht Lukas Kranzelbinder, ein junger Musiker aus Klagenfurt, über seine Lieblingsinstrumente und über die Faszination, hoch oben auf einem Berg Musik zu machen.
Redaktion: Was für eine Ausbildung hast du bisher gehabt und was für Dinge willst du noch lernen?
Lukas Kranzelbinder: Während meiner Schulzeit in Klagenfurt habe ich eine Zeit lang am E-Bass “herumgedümpelt”, bis ich dann vor meinem letzten Jahr im Gymnasium beschlossen habe, Kontrabass zu lernen - und zwar richtig. Ich habe am Konservatorium Klagenfurt eine Aufnahmeprüfung gemacht und mein Matura-Jahr dann quasi als “Vor-Student” - was bedeutet, dass man nur wenige Fächer besucht - bei Uli Langthaler verbracht. Nach diesem Jahr bin ich nach Wien gezogen und hab dort am Konservatorium ein “richtiges” Studium für Jazz-Bass begonnen; ebenfalls bei Uli Langthaler. Dieser Ortswechsel hat allerdings wieder nur ein Jahr gehalten, im Herbst 2007 hab ich mein Studium an die Bruckneruniversität in Linz zu Peter Herbert verlegt. Ich bin aber trotzdem in Wien geblieben und pendle seitdem zwischen den zwei Städten hin und her.
Mein Studium betrachte ich aber eigentlich nicht als den größten Teil meiner Ausbildung. Vielmehr lässt einen das Spielen und der musikalische Austausch mit anderen Musiker wachsen und immer neue Erfahrungen sammeln - was für mich momentan das Wichtigste ist. Ich versuche so viele Konzerte und Jams in meiner Umgebung zu organisieren, um mit möglichst vielen Musikern in Kontakt zu kommen. Das ist, denke ich, eine bessere Möglichkeit, um die Musik “zu lernen”.
Redaktion: Wann hast du begonnen Musik zu machen?
Lukas Kranzelbinder: Ich habe zwar auch - wie viele andere - meine Geschichten über “bereits mit 6 Jahren Klavierunterricht” usw., aber ich denke wirklich angefangen Musik zu machen habe ich während meiner Schulzeit mit 15/16 oder so. Mit meiner Übersiedlung nach Wien kam noch einmal ein ganz anderer und neuer Schwung dazu, und ab diesem Zeitpunkt war ich dann nur noch auf Musik “ausgerichtet”.
Redaktion: Hast du auch ein Lieblingsinstrument?
Lukas Kranzelbinder: Ob ich wirklich ein Lieblingsinstrument habe, kann ich nicht sagen. Mir gefällt momentan, mehr als je zuvor, Kontrabass selbst unglaublich gut - in erster Linie der unglaubliche Sound. Aber auch sonst hab ich viele, viele Instrumente, auf die ich steh’. Bassklarinette zum Beispiel, Trompete, Posaune, Alto, Drums,… Nur Gitarre mag ich nicht so gern (lacht).
Redaktion: Hast du Vorbilder?
Lukas Kranzelbinder: Natürlich habe ich Musiker, die mich total faszinieren und “anziehen”, aber die meisten wechseln monatlich. Ich versuche mich momentan nicht wirklich auf irgendein Vorbild-Denken zu fixieren, sondern eher möglichst viele verschiedene Spielweisen, Sounds, Einstellungen,… zu inhalieren, um mich selbst dann aus dem Ganzen als eigenständigen Musiker zu definieren.
Redaktion: Welche Projekte hast du bis jetzt verwirklicht und welche sollen noch folgen?
Lukas Kranzelbinder: Eines meiner Hauptprojekte zur Zeit ist eine Konzertreihe, die ich in einem Lokal in Wien organisiere. Das Ganze nennt sich “LUKAS IM DORF” und findet jeden letzten Samstag im Monat statt. Ich lade mir dabei immer andere Musiker aus verschiedenen Bereichen ein, um dann dort mit ihnen zu spielen und ein Konzert zu geben. Danach gibt es dann auch noch die Möglichkeit für eine offene Session, bei der alle Anwesenden mitwirken können. Für mich ist diese Art von Austausch momentan sehr wichtig, da ich dadurch die Möglichkeit habe, mit möglichst viel verschieden Musikern in Kontakt zu kommen.
Aus diesen “Steady-Gigs” hat sich auch schon mein momentanes “Haupt”-Quartett mit Wolfgang Schiftner (sax), Phil Yaeger (posaune) und Christian Grobauer (drums) entwickelt, mit dem ich im Mai nächsten Jahres auch nach Kärnten kommen werde. Infos dazu gibt’s unter www.myspace.com/lukasimdorf.
Ein anderes Vorhaben ist das projekt.almrausch[en]. Bei diesem Projekt geht es darum, mit 3 Musikern und einem Videokünstler eine Woche lang auf verschiedene Gipfel zu steigen und dort oben Musik zu machen. Die Idee ist dabei, sich von der Energie und der Umgebung in diesen Höhen inspirieren und diesen unglaublichen Sound, der dort oben entsteht, in seine Musik einfließen zu lassen. Der Kameramann versucht währenddessen, die dabei entstehenden Sessions einzufangen und auf Video zu dokumentieren. Weitere Infos dazu gibt’s auf www.almrauschen.com.
Redaktion: Welches große Ziel hast du vor dir?
Lukas Kranzelbinder:Mein momentanes Ziel ist es, möglichst viele verschiedene musikalische Persönlichkeiten in meiner jetzigen Umgebung kennenzulernen um mich mit ihnen auszutauschen.
Ein langfristiges Vorhaben ist sicher nach New York zu gehen und möglichst viele andere internationale Kontakte zu knüpfen, vielleicht auch eine Zeit lang dort zu leben - man wird sehen.

