Der vielleicht unleidliche, aber vielleicht gerade deswegen brillante Marcel Reich-Ranicki hat es einmal sinngemäß so formuliert: Große Literatur handelt von Liebe und Tod. Und aus.
Dem zweiten, dem haarigeren Thema hat sich die aus Vorarlberg gebürtige und seit langem in Kärnten lebende Autorin Ute Liepold gewidmet, als sie ihr neuestes Stück “STERBEN - Delirium für einen Schauspieler” verfasste, das am kommenden Mittwoch, 28. Oktober, um 20 Uhr, vom klagenfurter ensemble im Artecielo uraufgeführt wird.
Es handle sich dabei um einen “Versuch über das Unfassbare der Endlichkeit, den Schrecken des Alters, über die Angst vor dem Tod, über den Verfall des Körpers und vor allem des Geistes”. Ein Mann, dargestellt von Heinrich Baumgartner, “bewegt sich an der Kante des Todes und bricht mit Tabus, verliert die Kontrolle angesichts der plötzlich auflebenden Gespenster seiner Geschichte, um gleich darauf wieder die Welt zu kontrollieren, um noch einmal deren König zu sein”.
Wenn der Geist sich ablöst
Während der Geist sich vom Körper abzulösen beginnt, erscheinen ihm Bilder seines Lebens: Er ist ein Gedichte rezitierendes Kind, ein Charmeur, ein ´gaudeamus igitur´ singender Student und so weiter. Es handle sich, so das “ke”, um ein “Projekt im Spannungsfeld von eitlem Jugendkult und boomender Lebenserwartung, von Leugnung der menschlichen Endlichkeit und der sich gleichzeitig einnistenden Ängste, Tabus und Verdrängungsmechanismen”. Finale Frage: Wie viel menschliche Würde bleibt angesichts eines delierenden, sich verabschiedenden Geistes?
* Ute Liepold, “STERBEN - Delirium für einen Schauspieler”, mit Heinrich Baumgartner und Gerhard Lehner. Uraufführung 28. Oktober, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen 30. und 31. Oktober, 4. bis 7. November, 11., 13., 14. November.


