… gibt Rätsel auf.
Tänze der großen Mutter oder die Spirale als Symbol für Leben, Tod und Wiedergeburt: Frögs Keltenwelt zeigt einen Schatz seiner Fürstin, den der Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher aus ihrem Grab holte.
VON LISA KASSIN / Kärntner Tageszeitung
ROSEGG. Frög ist schon eine verzwickte Angelegenheit - erst entpuppt sich das Grab eines Stammesherrn als das einer Fürstin. Dann identifiziert eine renommierte Anthropologin deren Dienerin, die ihr in den Tod gefolgt war, als Mann, und jetzt gibt auch noch ein Schatz der Lady den Wissenschaftlern Rätsel auf.
Das kostbare Tongefäß aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist Kärntens ältestes “Comic”. “Die älteste Bildgeschichte ganz Mitteleuropas”, sagt der Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher: “Die Bilder stehen für etwas, sie sind genormt. Auch wenn die Deutung ihre Tücken hat und im Dunkel der Vorzeit liegt, scheint doch eines klar: Auf diesem Zeremonialgerät spielen Frauen eine herausragende Rolle.” Drei Paare halten sich an den Händen und tanzen einmal zwei Frauen, einmal zwei Männer und einmal Frau und Mann. Das zentrale Bild der Erzählung sind zwei auffallend groß dargestellte Frauen mit spiralförmigem Kopfputz. Hund und Auerochse erinnern an eine rituelle Jagdszene - Spiralmuster als Symbol für Leben, Tod und Wiedergeburt ranken sich um das ganze Gefäß.
Gleirscher ordnet es der Kalenderberg-Kultur zu und vergleicht es mit einem Gefäß aus dem ungarischen Sopron: “Darauf sieht man die kultische Umfahrt eines weiblichen Götterbildes. Weil Bilder auf dieser Art von Prunkgefäßen genormt sind, beziehen sie sich auf die gleiche Geschichte: offenbar ein Fest, bei dem das Kultbild der Göttin auf einem Wagen durchs Land gezogen wird. Die beiden großen Frauenfiguren dürften Priesterinnen gewesen sein.” Das Matriarchat auch in Frög? Ja warum denn nicht!

