Der Kreuzweg in Stein im Jauntal/Kamen ist in seiner Weise einzigartig. Der Publizist Josef Till legt einen meditativen Zugang vor (Hermagoras).
VON BERTRAM KARL STEINER, Kärntner Tageszeitung
Vierzehn Stationen von Jesu Verurteilung bis zur Grablegung. Beim “Kärntner Kreuzweg” in Stein im Jauntal haben vierzehn Künstler je eine der vierzehn Kapellen gestaltet, die hinauf zur Kirche führen, wo beim alljährlichen “Striezelwerfen” im Gedenken an die Legende der Hildegard von Stein symbolisch das Brot des ewigen Lebens verteilt wird.
Gleich daneben, im Karner, hat Kiki Kogelnik kurz vor ihrem Tod 1997 ihr spirituelles Vermächtnis an die Lebenden niedergelegt. Stein besitzt damit einen “Ort der Kraft”, wo Historie, Legende, Volksfrömmigkeit und zeitgenössische Kunst in einzigartiger Weise zusammenwirken. Seit kurzem gibt es dazu einen spirituellen “Reiseführer”, eine literarische Kreuzwegandacht, die den Besucher durch die Mysterien von Leiden, Tod und Auferstehung begleiten soll.
Vier symbolische “K”
Der Publizist Josef Till hat persönliche Meditationen, Lyrik und Betrachtungen von Ingeborg Bachmann, Erich Fried, Bertolt Brecht, Christine Busta, Christine Lavant oder Andrej Kokot zu dem gerade in der Fastenzeit aktuellen Band “4 K” zusammengestellt, der soeben im Hermagoras Verlag erschienen ist.
Die vier “K” beziehen sich auf “K”reuzweg, “K”iki “K”ogelnik” und auf die slowenische Bezeichnung “K”amen für Stein. Im Zentrum des Werkes stehen die dunklen, an der Schöpfung zweifelnden, wie Hiob anklagenden Gedichte der Christine Lavant und das finale “Memento mori” von Kiki Kogelnik: In ihrem Karner wird einerseits die Sterblichkeit der gesamten Kreatur mit seltener Schonungslosigkeit dargestellt - andrerseits verweisen Kikis “Himmelsleitern” und die im Gewölbe angebrachten blauen keramischen “Himmelsbrote” auf das unzerstörbare Leben, auf den Satz aus der Geheimen Offenbarung Johannis: “Siehe, ich mache alle neu.”

